Main-Echo

Mittwoch, 12.05.2010

Schlafend vor der Kämmerei, thronend vorm Rathaussaal

ERLENBACH. Der Titel sagt alles: »Schräge Vögel und mehr« ist das Motto der Ausstellung, die vier Wochen lang im Erlenbacher Rathaus zu sehen ist. Die Skulpturen, Acrylmalereien und Zeichnungen entstanden in der Kunstgruppe des kreativen Mädchentreffs im Jugendzentrum.

Unter der Leitung von Kunstpädagogin Christiane Leuner fertigten zwölf Mädchen Kunstwerke, die vor allem eines sind: Farbenfroh und zweideutig. Faszinierend sei der Titel schon in Verbindung mit dem Ausstellungsort, sagte Gabriele Schmidt mit einem Augenzwinkern.

In ihrer Laudatio bei der Vernissage am Montagabend lobte die Kulturreferentin des Landkreises die jungen Künstler. Als »Garant für Qualität« bezeichnete sie Kunsttherapeutin Christiane Leuner. Seit 17 Jahren leite sie engagiert den kreativen Mädchentreff. Lob bekam auch die Stadt die als eine von wenigen Kommunen ein »Vorzeige-Jugendzentrum geschaffen habe.

»Ein Bild ist gut, wenn es zum Lachen oder zum Weinen reizt«, fasste Leuner die Philosophie des Mädchentreffs zusammen. Die Bilder sollen zum Nachdenken anregen, berühren, etwas in Bewegung bringen. In ihren Kursen erlebe sie die Mädchen mit Konzentration und Hingabe.

Auch Rudi Reißmann, Leiter des Jugendzentrums, zeigte sich von »richtig guten Kunstwerken« beeindruckt. Es gehe auch um die Bildung der Persönlichkeit beim kreativen Schaffensprozess.

Ob Landschaftsbilder in Aquarell, großformatige Acrylbilder oder farbenfrohe Vogelskulpturen - auch der Humor kommt nicht zu kurz. Bei ihrem Rundgang durch das Rathaus entdecken Besucher beispielsweise einen schlafenden Vogel vor dem Büro des Kämmerers. Sie können aber auch auf einem Himmelsthron aus Pappmache vor dem Rathaussaal Platz nehmen. Auch das Triptychon im Erdgeschoss mit dem vielsagenden Titel »Nix hören, nix sehen, nix sagen« reizt zu einem Vergleich mit dem
Beamtentum in alten Zeiten.

Aktuell ist die Initiative »Kunst im Rathaus« jedoch als progressiver Trend zu werten. Drei weitere Ausstellungsreihen sind für dieses Jahr geplant, kündigte Bürgermeister Michael Berninger an. So finden vielleicht auch Bürger, die eher ungern ihren amtlichen Erledigungen nachgehen, einen Weg ins Rathaus.

syb/Foto: Sylvia Breckl