Main-Echo

Samstag, 14.11.2009

 

Voller Körpereinsatz ist beim Barbershop angesagt. Der Erlenbacher Frauenchor Main Stream Magic bereitet sich intensiv auf den Bundeswettbewerb am ersten Märzwochenende 2010 vor. Melodie, Dynamik, Choreographie ... alles soll möglichst harmonisch zusammenpassen. Schließlich wollen die Newcomer vom Untermain im bundesweiten Vergleich mit erfahrenen Ensembles einen guten Eindruck hinterlassen.

 

Bässe als Basis für vollkommene Harmonie

 

Main Stream Magic: Frauen aus dem Landkreis Miltenberg erobern

a cappella eine männliche Domäne

Barbershop mit ganzem Herzen und viel Spaß

 

»Make sure the song comes from the heart« erklingt es im Saal des Erlenbacher Jugendhauses vierstimmig aus 20 Frauenkehlen. Wo sonst brachialer Metal-Sound und massives Punk-Getöse die Wände beben lassen, füllen dienstagabends A-cappella-Klänge den Raum.

Main Stream Magic nennen sich die Sängerinnen, die sich in der ansonsten männlich dominierten Sparte der Barbershopchöre behaupten wollen. Die Proben machen Lust auf mehr: Die Damen sind mit ganzem Herzen, viel Engagement und noch mehr Freude bei der Sache.

»Von Frauen perfektioniert«

»Barbershopmusik wurde von Männern erfunden und von Frauen perfektioniert«, meint Danielle Schwarz selbstbewusst. Gemeinsam mit ihrer Mutter Lynn Hills hat die junge Erlenbacherin das Ensemble vor genau einem Jahr gegründet. Nur acht Wochen später stand beim interkulturellen Fest in Erlenbach die »Feuertaufe« auf der Bühne an. Inzwischen ist Main Stream Magic auf 20 Stimmen angewachsen. Die Chormitglieder aus dem Landkreis Miltenberg, selbst aus Hanau und Wiesbaden, verpassen keine Probe, aus gutem Grund: Für den Bundeswettbewerb im Rahmen eines Barbershop-Festivals vom 5. bis 7. März 2010 im Dortmunder Konzerthaus ist der Erlenbacher Chor bereits gemeldet und dort wollen die Sängerinnen »eine gute Figur« machen. Angesichts der starken Konkurrenz, die oft schon seit vielen Jahren dabei ist, heißt das für die Newcomer aus Erlenbach realistisch betrachtet: Nur nicht Letzter werden. Lynn Hills: »Wir wollen mal schauen, wie wir im Vergleich zu anderen Chören stehen und das Urteil der Jury hören.«

Für die Sängerinnen bedeutet das in den nächsten Wochen und Monaten: üben, üben und nochmals üben. »Wichtig ist ein starker Bass«, betont Lynn Hills. Neun der Main Streamer bilden daher diese Basis für die drei übrigen Stimmlagen Lead, Bariton und Tenor, die sich zum typischen A-cappella-Klang vereinigen. Ganz zufrieden ist die 50-Jährige gebürtige Amerikanerin noch nicht, denn »der Bariton sei derzeit etwas zu schwach besetzt, um die Akkorde zu füllen.«

Dass bei der Probenarbeit trotz intensiver Wettbewerbsvorbereitung der Spaß am Singen nach wie vor an erster Stelle steht, dafür sorgt Lynn Hills mit ihrer ganz eigenen, mitreißenden und humorvollen Art. Straff, aber nie mit harter Hand führt sie die Gruppe durch die Singstunde, angefangen beim Aufwärmen für Stimme und Körper über Choreographie-Übungen bis hin zum Schlussakkord. Dass sie bei den Proben immer mehr ins Amerikanische verfällt, stört kaum und bedeutet für die Sängerinnen allenfalls Sprachunterricht nebenbei und gratis.

»Ich höre mir A-cappella-Lieder gerne an, aber noch lieber singe ich sie«, sagt Chormitglied Tanja Knierim aus Elsenfeld. Auch Irene Kreß aus Niedernberg fand bei Main Stream Magic, was sie suchte: »Ich wollte etwas anderes als einen normalen Chor, etwas Stimmungsvolles.« Doch dass die Götter vor den Erfolg bekanntlich den Schweiß gesetzt haben, betont Simone Grün-Steidel aus Erlenbach: »Ohne Hausaufgaben geht es nicht.«

Sprachliche Hürden meistern

Das Repertoire des Erlenbacher Barbershopchors umfasst inzwischen sieben Lieder, die gut sitzen. Und auch wenn der Trude-Herr-Klassiker »Ich will keine Schokolade« dazu gehört, kennt Lynn Hills ein spezielles Problem aus Erfahrung: »Deutsche haben es schwerer, weil sie neben Melodie, Dynamik, Choreographie oft auch den Text in einer Fremdsprache lernen müssen.« Und die meisten Lieder sind nun einmal in Englisch. Bis zum großen Auftritt und Leistungsvergleich in Dortmund hat Main Stream Magic noch ein paar Monate Zeit, doch die Uhr tickt unerbittlich. Lynn Hills ist zuversichtlich, dass der Auftritt ein Erfolg wird, denn Barbershopsongs sind vor allem eins: Gehör- und Gefühlssache. Und dass die »Chemie« unter den 20 Sängerinnen stimmt, erlebt sie jeden Dienstag aufs Neue.

Für die Zukunft hat sich Chorleiterin Hills mit ihren Magic-Mädels ein hohes Ziel gesteckt, das sie durchaus für erreichbar hält. »Wenn ein wirklich guter Barbershopchor singt und wenn alles perfekt zusammenpasst, dann erklingt über einem Vier-Ton-Akkord ein fünfter Ton.« - Und dann ist sie zu hören, die vollkommene Harmonie.

Martin Bachmann

Infos im Internet unter der Adresse www.barbershop.de oder bei Danielle Schwarz, Tel. 0 93 72 / 94 06 20.